02. - 06.06.2013: Donau Hochwasserkatastrophe

 

Einsatzgrund und Einsatzort:

Überflutungen aufgrund von Hochwasser, Gemeindegebiet Wilhering

 

Einsatzzeit:

02. Juni 2013 bis 06. Juni 2013

 

Einsatzleiter - FF Schönering:

HBI Zoitl Roland

 

 

Detailbericht:

  

Die Hochwasserkatastrophe im Juni 2013 hat auch das Gemeindegebiet von Wilhering nicht verschont.

 

Schon Tage zuvor, ab dem 27. Mai, hat man eine potentielle Hochwasserlage in den Wetterkarten finden können. Für den Zeitraum von Donnerstag, 30. Mai bis Montag, 03. Juni wurden teilweise zwischen 120 – 240 mm Niederschlag zwischen Vorarlberg, über den Alpenraum bis nach Niederösterreich gerechnet. Ab Mittwoch, den 29. Mai haben auch sämtliche Wetterwarndienste (UWZ, ZAMG) frühzeitig Warnungen vor langanhaltenden Dauerregen ausgegeben. Am Fronleichnamstag, 30. Mai, hat der Dauerregen in Mitteleuropa begonnen und hielt, bis auf kleinere Unterbrechungen, bis am Montagabend, den 03. Juni, an. Im Zentralraum wurden in diesem Zeitraum Litermengen zwischen 120 – 150 Liter erreicht, in den Alpen kamen teilweise bis zu 300 Liter zusammen.

 

Ab Sonntagmittag, 02. Juni, stand auch die FF Schönering im Hochwassereinsatz – bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich schon ein drohendes Donau-Hochwasser für das Augebiet in Schönering ab.

 

Die einzelnen Einsatztage nun zusammengefasst:

1. Einsatztag - Sonntag, 02. Juni 2013

Ab den Morgenstunden wurden durch Kameraden der FF Schönering laufend Pegelkontrollen im Augebiet von Schönering durchgeführt. Ebenfalls wurden diverse Hilfspegel zur besseren Beobachtung montiert. Um 11:29 Uhr erfolgte die Sirenenalarmierung der FF Schönering. Die vier betroffenen Häuser im Augebiet wurden schon im Vorfeld zwischen der FF Schönering und der unterstützenden FF Edramsberg zugeteilt, um somit schneller und effizienter arbeiten zu können (die Aufteilung bestand während dem gesamten Einsatzzeitraum). In diesen Stunden wurden in erster Linie sämtliche Rinder in Sicherheit gebracht sowie mit den ersten Abbau- und Sicherungsarbeiten bei den Häusern begonnen (man rechnete zu diesem Zeitpunkt “nur“ mit einem Donau-Hochwasser in der Dimension von 2002). Ebenfalls wurden bis auf wenige Bewohner sämtliche Personen evakuiert. Einige Personen wurden über die Gemeinde beim GH Lehner bzw. bei der Pension Wasmayr untergebracht.

 

Da in der Nacht zuvor bereits lang anhaltender Starkregen einsetzte und dieser auch über den Tag anhielt, drohte auch der Roßbach im Schöneringer Ortsgebiet über die Ufer zu treten. Somit wurden auch hier diverse Sicherungsarbeiten bei einigen Häusern durchgeführt. Auch das Hausmeister-Team von der Reha Klinik Wilhering suchte um Unterstützung an, bei den Aufbauarbeiten vom Hochwasserschutz behilflich zu sein.

 

Ebenfalls sorgte bereits das nichtmehr abfließende Oberflächenwasser für Probleme auf der B129 sowie bei einigen Wohnhäusern in Schönering. In den Nachtstunden waren die Häuser im Augebiet nur mehr mit dem Traktor erreichbar. Um 21:30 Uhr konnten schlussendlich sämtliche vorbeugende Arbeiten abgeschlossen werden und man wartete auf die große Flut.

 

2. Einsatztag - Montag, 03. Juni 2013

Um 05:38 Uhr wurden wieder sämtliche Kameraden der FF Schönering per Sirene, Pager und Handy alarmiert. Die Flut hat die Ortstafel von Schönering bei der Hirschkreuzung erreicht und somit musste auch die Einsatzbereitschaft beim GH Hollaus wieder hergestellt werden. Ebenfalls wurden die Zillen der FF Edramsberg sowie das Sturmboot der FF Wilhering angefordert um das Gasthaus erreichen zu können. Man versuchte die Räumlichkeiten vom Gasthaus im Erdgeschoss so lange wie möglich trocken zu halten, um größere Schäden zu verhindern. Um 10:35 Uhr wurden aber die Arbeiten aufgegeben, da bereits zu viel Grundwasser durch die Mauern eindrang und man Bodenbeschädigungen vermeiden wollte. Es wurden sämtliche Gerätschaften, Tiere und Hausbewohner in Sicherheit gebracht. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Hochwassermarke von 2002 überschritten wird, da diese zu diesem Zeitpunkt bis auf wenige Zentimeter fast erreicht wurde.

 

Die Lage spitzte sich auch ab den frühen Nachmittagsstunden im Ortsgebiet von Schönering allmählich zu. Da die Donau auch weiterhin noch 5 – 10 cm pro Stunde anstieg. Der Vorstand des SV Wilhering bat um Unterstützung bei der Sicherung des Clubheimes. Wo zuvor noch im Trockenen Sandsäcke geschupft wurden, stand man 1 ½ Stunden später rund 30 cm unter Wasser. Danach erfolgte eine komplette Räumung der Kantinen um größere Schäden zu verhindern. In den Abendstunden beschäftigte auch noch ein überfluteter Keller in Appersberg die Einsatzkräfte der Feuerwehr Schönering. Einsatzende: 21:30 Uhr.

 

3. Einsatztag - Dienstag, 04. Juni 2013

In den Nachtstunden um 02:00 Uhr wurde der Höchststand auf der Donau beim Pegel Wilhering erreicht: 1172 cm! Der bisherige beobachtete Höchststand vom 21. Juli 1981 mit 935 cm wurde also um 237 cm übertroffen. Diese Situation verschärfte nicht nur die Lage in Wilhering, sondern verschlimmerte die Situation in der näheren Umgebung (Alkoven, Walding, Goldwörth und Ottensheim) immens - dort mussten unzählige Personen mit Booten und Hubschraubern evakuiert werden.

 

Dieser Höchststand führte auch dazu, dass der Sportplatz Schönering rund einen halben Meter unter Wasser stand! Genauso sammelte sich das Wasser beim Reha-Zentrum in Schönering in dieser Dimension vor dem errichteten Hochwasserschutz. Leider war der Hochwasserschutz aufgrund diverser Umstände nicht zur Gänze dicht und somit wurde durch den Hausmeister die Feuerwehr um 04:00 Uhr verständigt. Mit mehreren Pumpen versuchte man, das bereits eingetretene Wasser aus der Tiefgarage und Anlieferungsstelle abzupumpen, um somit größere Schäden zu verhindern. Die FF Axberg unterstützte die Pumparbeiten mit zahlreichen Tauchpumpen.

 

In den Morgenstunden wurden auch die letzten Personen vom GH Hollaus mit dem Sturmboot der FF Wilhering evakuiert.

 

Während dem gesamten Einsatzzeitraum wurden immer wieder Pegelmessungen und diverse Sicherungsarbeiten bei einigen Objekten durchgeführt sowie Straßensperren errichtet. Ebenfalls wurden auch diverse Geräte für die ersten Aufräumungsarbeiten zur Verfügung gestellt.

 

Da der Pegel an der Donau ab den frühen Morgenstunden zu sinken begann, konnten auch die Pumparbeiten bei der Reha-Klinik Wilhering weiter fortgesetzt werden. Diese zogen sich bis in die Nachtstunden und somit konnten größere Schäden verhindert werden. Einsatzende: 23:30 Uhr!

 

 

Dankenswerterweise dürfen wir auch Luftbildaufnahmen von Wolfstudios von Schönering während dem Höchststand hier online stellen:

 

4. Einsatztag - Mittwoch, 05. Juni 2013

Eine erste Lageerkundung um 05:00 Uhr früh ergab, dass das GH Hollaus bereits im Trockenen stand und mit den ersten Aufräumungsarbeiten begonnen werden konnte. Gegenüber dem letzten Hochwasser 2002 wurde die Marke um rund 1,2 Meter überschritten. Dies wirkte sich natürlich auch auf die Schadenslage enorm aus. Das Gasthaus selbst war aber weiterhin nur mit Zillen bzw. mit Traktoren erreichbar. Den ganzen Tag über wurden sämtliche Räume ausgeräumt, der Schlamm beseitigt, Gerätschaften grob gereinigt, usw.

 

Währenddessen hat man auch bei den betroffenen Objekten im Ortszentrum, Kantinen SV Wilhering, Stockschützenhalle, Reha-Klinik Wilhering, mit den Aufräumarbeiten begonnen. Diese konnten bis zum Abend alle beendet werden.

 

Einsatzende: 21:00 Uhr

 

5. Einsatztag - Donnerstag, 06. Juni 2013

Ab 08:00 Uhr begann man wieder mit den Aufräumarbeiten im Augebiet von Schönering. Da das Wasser auch in einem Wohnhaus in den Wohnbereich rund einen Meter eindrang, musste dieses Haus komplett geräumt werden.

 

Wie Tags zuvor waren auch an diesem Tag wieder zahlreiche Privatpersonen und das Team Österreich behilflich. Die Aufräumarbeiten konnten bis zum Abend hin zur Gänze abgeschlossen werden. Nun müssen nur mehr in nächster Zeit die Keller ausgepumpt werden (ist momentan aufgrund des hohen Grundwasserspiegel nicht möglich). Einsatzende: 20:00 Uhr

 

 

Während der gesamten Katastrophe fanden immer regelmäßige Lagebesprechungen zwischen den Feuerwehreinsatzleitungen Edramsberg, Schönering und Wilhering und dem Bürgermeister Mario Mühlböck statt. Somit konnte eine koordinierte Abarbeitung sämtlicher Einsätze gewährleistet werden.

 

Ein großes Problem stellten die bereits in den Medien erwähnten “Hochwasserschaulustigen“ auch im Augebiet Schönering dar. Diese machten ein rasches Vorankommen während den Sicherungsarbeiten am ersten Einsatztag bzw. während den Aufräumarbeiten zum Schluss fast unmöglich.

 

Während den fünf Einsatztagen standen immer zwischen 20 und 25 Einsatzkräfte der Feuerwehr Schönering von der Früh bis in die Nachtstunden im Einsatz. Diese nahmen sich für die Bürger der Marktgemeinde Wilhering extra Zeitausgleich oder Urlaub! Ein herzliches Dankeschön im Namen der Feuerwehr, aber auch der Betroffenen, gilt den zahlreichen Privatpersonen und dem Team Österreich, die bei den Aufräumarbeiten geholfen haben. Die Feuerwehr hat auch zahlreiche Kuchen, Getränke und Speisen zur Versorgung bekommen – Danke! Ebenfalls ein herzliches Dankeschön den zahlreichen Kameraden und Privatpersonen mit Traktoren, die bei so einem Ereignis enorm wichtig sind und ohne die fast gar nichts gehen würde!

 

 

Einsatzkräfte über den gesamten Zeitraum:

Mannschaft: 121 Mann mit ca. 1.500 Einsatzstunden

Fahrzeuge: KDOF, KLF, KRFB-A und MTF

weitere Einsatzkräfte:  FF Edramsberg, FF Wilhering, FF Axberg, Polizei Wilhering, RK Wilhering, Bgm. Mario Mühlböck 

 

weitere Berichte/Bilder:

FF Wilhering

Luftbildergalerie 1 Wolfstudios

Luftbildergalerie 2 Wolfstudios

Luftbildergalerie 3 Wolfstudiois